Je
nach Bundesland gibt es für Asperger-Autisten
für die Schule einen Begleiter oder Integrationshelfer, der darauf
achtet, dass die Besonderheiten des Autisten dem Umfeld
verständlich
gemacht werden und der dafür sorgt, dass die Anforderungen des
Bildungssystems
dem autistischen Verständnis entsprechend umgearbeitet und
präsentiert
werden.
In jeglichen Informationen zur
Beschulung
von Autisten wird dringend darauf hingewiesen wie wichtig die
Zusammenarbeit
von Lehrpersonal, möglichem Integrationshelfer, Therapeuten und
Eltern
ist.
Anders als in vielen
pädagogischen
und psychologischen Empfehlungen bei anderen Auffälligkeiten wird
die Rolle der Eltern und deren Mitarbeit bei den Autisten höher
eingeschätzt,
da autistisches Verhalten nicht unisono immer das selbe ist und Eltern
durch die langjährige, tägliche Erfahrung sehr genau um die
Feinheiten
im Verhalten des Kindes wissen.
Mit dem 18. Geburtstag des
Autisten werden
aber sämtliche Erfahrungen, Therapie- und Hilfsmaßnahmen der
Eltern für Null und nichtig erklärt. Den gerade
volljährigen
Autisten erklärt man trotz eines Behindertenausweises zur komplett
selbstverantwortlichen Person. Er hat seine Forderungen und Anfragen
hinsichtlich
Berufsausbildung – auch in der Reha-Abteilung des AA – bitte
selbständig
vorzutragen.
In über Autismus informierten
Kreisen
ist bekannt, dass Behördengänge, das Ausfüllen von
Formularen,
die richtige Interpretation einer Benachrichtigung für Personen
mit
autistischen Zügen kaum zu bewältigen sind.
Noch schlimmer aber sind die so
gern
anberaumten Gesprächstermine, die der Autist gefälligst
selbst
und alleine wahrzunehmen hat, da er ja nicht entmündigt ist.
Dieses Gebaren der Behörden
im
Umgang mit Personen mit autistischer Störung lässt zweierlei
vermuten: entweder hat man keinerlei Ahnung von dieser Art der
Behinderung
oder man weiß sehr wohl darum und nutzt es aus, um einer im
Gespräch
hilflosen Person die notwendige, leider kostenträchtige,
Unterstützung
zu versagen.
Sicher, die
Asperger-Störung ist
relativ selten, kommt in den mit Rehabilitation befassten Institutionen
nicht so häufig vor, dass man einen sicheren Umgang damit erwarten
könnte. Hier besteht dringender Informationsbedarf.
Bei der Betreuung
körperlicher
Behinderungen ist sogar für einen Laien klar wie ein besonderes
Lern-
und Ausbildungskonzept ungefähr auszusehen hat.
Da der ASler aber nicht
körperbehindert
ist, trotzdem über einen Behindertenausweis verfügt, kann er
wohl nur geistig behindert sein, was allerdings auch nicht stimmt.
In allen Informationen zu leichten
Autismusformen
werden als typisch folgende Sachverhalte genannt: Defizite im sozialen
Bereich, sehr besonderer Umgang mit Sprache, Besonderheiten des
Gehörs,
sehr sensible oder übersteigerte Wahrnehmung.
Defizite im sozialen Bereicht
heißt
aber nicht, der ASler ist ein unsoziales Wesen, er kann nur aufgrund
seiner
Wahrnehmung folgendes nicht ab: mehrere Menschen in einem Raum, die
durcheinanderreden,
evtl. begleitet von anderen Geräuschen.
Auf neue Personen muss er sich
auch
erst einstellen, ein Gefühl für die Stimme und den
Sprachgebrauch
der Person entwickeln. Eine fremde Stimme ist in etwa so
gewöhnungsbedürftig
wie für normale Menschen ein starker, unbekannter Dialekt.
Ferner ist bekannt, dass Menschen
mit
Autismus zu den visuell Lernenden gehören, dass man Vorträge
in dozierender Art vermeiden sollte.
Mit Autismus befasste Therapeuten
und
eben die Eltern wissen auch, dass ein Autist einen stabilen Rahmen, ein
festes Programm braucht und Wechselbäder tunlichst zu vermeiden
sind.
Änderungen von vorher festgelegten Plänen oder Abmachungen
sind
lange vorzubereiten, besser ganz zu vermeiden. Bei unvermeidlichen
abrupten
Änderungen muss der Autist ganz besonders betreut werden.
Wenn man die vorgenannten
typischen Eigenarten
von Personen mit autistischer Störung kennt, dann sollte man das
Einbestellen
zu Gesprächen an einen bisher unbekannten Ort, in einem
unbekannten,
verwirrenden Gebäude, mit einer nie gesehenen und gehörten
Person,
besser vermeiden oder eine begleitende Person aus dem vertrauten Umfeld
des Autisten akzeptieren.
Autisten haben vielerlei
Ängste,
die dem Normalen nicht ganz verständlich sind. Er kennt sie zwar,
aber er wird nicht in demselben Ausmaß geängstigt oder es
ist
ihm völlig egal.
Für das o. a. Gespräch
würde
das bedeuten: Angst in den falschen Bus einzusteigen, Angst nicht an
der
richtigen Station auszusteigen, Angst das Gebäude nicht, oder
nicht
rechtzeitig zu finden, den Raum nicht zu finden. Angst jemanden fragen
zu müssen, dessen Antworten man vielleicht nicht versteht.
Angst in dem Gespräch etwas
nicht
richtig zu verstehen, nicht die richtige Antwort zu geben, sich etwas
nicht
merken zu können, einen Fragebogen ausfüllen zu müssen.
Dem Gesprächspartner
fällt
es wohl gar nicht weiter auf, er freut sich über die schnell
erteilte
Zustimmung in Form eines Ja, kein Gezeter, keine langen Diskussionen.
Dabei hat der Autist nur eins im
Sinn:
raus hier, so schnell wie möglich.
Ist der Termin endlich
überstanden,
sind noch die bereits genannten Klippen des Rückwegs zu
umschiffen.
So ein Gesprächstermin
bedeutet
für einen ASler Stress im Übermaß und es bedarf einer
mehrtägigen
Erholung.
Da kann man nur hoffen, dass ein
knappes
Gespräch umgehende und richtige Maßnahmen einleitet und
nicht
nur ein Vorgeplänkel für weitere Gespräche
ähnlicher
Art in anderen Institutionen war.
Unterrichtung in Gruppen
Es macht wenig Sinn, einen
Autisten in
einer Einrichtung/Gruppe zu betreuen, die sich aus Personen
zusammensetzt
die ebenfalls gestört und verhaltensauffällig sind. So
provoziert
man das Gegenteil des gewünschten Effekts.
Trotz all seiner Handicaps ist der
Autist
oft erfolgreich bemüht sich an die Normalität anzupassen,
über
den Intellekt das Verhalten und die Reaktionen seiner Mitmenschen
kennenzulernen.
Schon allein das ist in einer Umgebung aus „normalen“ Menschen eine
ständige
zusätzliche Aufgabe zum Lernprozess in Schule und Ausbildung.
Ein Mensch mit leicht
autistischen Zügen
oder Asperger-Syndrom verfügt oft, zumindest in einigen Bereichen,
über sehr gute bis hervorragende kognitive Fähigkeiten. Er
braucht
ein ruhiges, stabiles Umfeld und einen, seinem Intellekt angemessenen,
An- und Zuspruch. Ganz besonders sollte man darauf achten, ob und in
welcher
Form das Begabungsprofil uneinheitlich ist, in welchen Teilen des
Unterrichts
der Schüler/Auszubildende unter- oder überfordert ist. Es ist
sehr wahrscheinlich, dass sich in den verschiedenen Fächern ein
geradezu
konträres Lerntempo zeigt, das adäquat behandelt werden
sollte.
In einer Gruppe mit
durchgängig
Lernbehinderten, mit Hyperaktiven und anderen Personen mit
Störungen
im sozialen Bereich kann eine Unterrichtung nicht erfolgreich sein.
Von Mitschülern, die selbst
eine
behindernde Störung haben, kann man kaum erwarten, dass sie
Verständnis
für die Besonderheiten autistischen Verhaltens aufbringen oder gar
damit umgehen können.
Man sollte einem Autisten nicht
zumuten
sich auf die diversen psychischen Absonderlichkeiten seiner
Mitschüler
einzustellen. Er möchte seine Energie für den Lernstoff, die
Ausbildung verwenden, dort möglichst schnell und störungsfrei
vorankommen.
Sein bisheriges autistisches
Dasein
hat ihn nur durch außerordentliche Leistung seinerseits soweit
gebracht,
dass er überhaupt in der Lage ist eine Ausbildung aufzunehmen.
Diese Leistung sollte entsprechend
honoriert
und die Leistungsbereitschaft gefördert werden. Sie sollte durch
falsche
Beschulung/Behandlung/Unterrichtung in einer nicht geeigneten Gruppe
nicht
behindert, ge- oder gar zerstört werden.