Asperger-Autismus



Informationen zu Schülern mit leicht autistischem Verhalten und Asperger-Syndrom



 
















Allgemein
Asperger Autisten sind sehr gediegene Wesen und für die Bezeichnung Autist noch recht nah an der Normalität.
Zu sagen: ach ja, ich kenn den Film Rainman oder: ach, ein kleiner Savant trifft es keinesfalls.
Bei den Savants ist eine einzelne Fähigkeit geradezu genial ausgeprägt, während die sonstigen geistigen Fähigkeiten im unterdurchschnittlichen Bereich oder dem der geistigen Behinderung anzusiedeln sind.
Asperger Autisten verfügen über eine normale bis sehr hohe Intelligenz, die allerdings – ähnlich wie bei den Savants – extrem hohe Werte in einigen Bereichen und gleichzeitig normale bis leicht unterdurchschnittliche Werte in anderen Bereichen aufweisen kann.
Ein derart unausgeglichenes Begabungsprofil, wie es auch  einige der Hochbegabten aufweisen, ist in der Erziehung und im Regelschulsystem immer problematisch, auch ohne eine Portion Autismus.

Sozialverhalten
In der allgemeinen Berichterstattung wird im Zusammenhang mit Autismus als erstes und wichtigstes Merkmal immer das Defizit im Sozialverhalten genannt. 
Dies suggeriert, dass es sich hier um unsoziale Wesen handelt, obwohl eher das Gegenteil der Fall ist.
Das, was als unsozial auffällt ist die verminderte Fähigkeit Menschenmengen, Lärm, Farben und Bewegungen zu ertragen, da die Wahrnehmung extrem empfindlich ist.
Das Bemühen vieler Erzieher oder Therapeuten, einen Asperger oder Autisten gruppentauglich zu machen ist absolut contraindiziert und wäre mit dem Wunsch zu vergleichen, ein Querschnittgelähmter solle jetzt bitte mal seinen Rollstuhl verlassen und die Treppe hochgehen.
Bei einem Gehbehinderten würde es niemand wagen diesen Wunsch zu äußern, von Asperger-Autisten verlangt man täglich ihre Behinderung einfach zu ignorieren und mitzumachen.
Aufgrund ihres Intellekts, ihres Anpassungsvermögens, ihres Willens, Normalität zu lernen, lassen sie sich auch oft dazu verleiten, die Wünsche zu erfüllen. Damit überfordern sie sich aber grundsätzlich und ihre Ressourcen werden dezimiert. Sehr zum Schaden einer weiteren positiven Entwicklung.
Asperger-Autisten haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der einem ursprünglichen Gefühl für Recht und Unrecht Rechnung trägt und sich nicht durch lapidare gesellschaftlich relevante Maßnahmen trügen lässt.
Durch die eigene leidvolle Erfahrung geprägt, neigen ASler dazu die Partei des Schwächeren zu ergreifen.
Neid, Konkurrenzverhalten und das gesellschaftliche Leistungsprinzip sind ihnen grundsätzlich fremd. Ihr Perfektionismus unterliegt den eigenen, sehr hohen, ja quälend hohen,  Qualitätsansprüchen.
So ist es auch oft der Perfektionismus, der die Beschäftigung mit einer Sache in die Länge zieht und nicht Langsamkeit in der Auffassungsgabe oder motorische Ungeschicklichkeit.

Mobbing
Der in der Liste der Ratschläge zum schulischen Umgang mit ASlern aufgeführte Punkt ein Kind mit AS nicht an die Tafel zu rufen, wird auch von den Eltern kontrovers beurteilt.
Bei aller Wahrung eines schützenden Rahmens wird ja auch immer die Hinführung zur Normalität gewünscht.
Mit viel Einfühlungsvermögen ist es sicher möglich, die Ängste des Kindes in dieser Situation abzubauen. Dabei sollte man immer die Position des Kindes in der Klasse und das Klima, das im Klassenverband herrscht genau kennen und berücksichtigen.
Vor allem in der Grundschule hat sich zum Wohle aller Kinder das Vortragen vor dem Klassenverband in kleinen Gruppen als sehr positiv erwiesen.

Ein Schüler mit AS ist – wenn auch nicht extrem auffällig – doch ungewöhnlich. Sein Verhalten, seine Sprechweise ist den anderen Schülern oft unverständlich und macht ihnen Angst, was beängstigend ist wird ausgegrenzt.
ASler sind sehr sensibel und verfügen über eine gesteigerte Wahrnehmung und sie verabscheuen Gewalt. Da ist es für andere Kinder, die durchsetzungsfähiger sind beim Festlegen der Rangordnung im Klassenverband, sehr einfach, den Autisten zu maltraitieren und auszugrenzen, der keine unterstützende Gruppe von Freunden hat.
Jeder Fachlehrer sollte in jeder Stunde genau beobachten, ob und wie sich solche Tendenzen entwickeln und ihnen entgegenwirken.
Bei der Aufarbeitung von leichten Zwischenfällen wird von Seiten der anderen Schüler oft behauptet, sie seien von dem ASler provoziert worden. Leider wird dieses Argument oft von dem schlichtenden Lehrer übernommen, der das Verhalten und Gebaren ebenfalls für provokant hält, da er nicht weiß, dass es Teil der Behinderung durch das Asperger-Syndrom ist, sich auf diese bestimmte Weise zu verhalten.

Sport
Motorische Ungeschicklichkeit wird im Zusammenhang mit AS oft erwähnt, muss aber nicht dazugehören. So kann z. B. die Feinmotorik perfekt sein, während die Teilnahme am Schulsport aufgrund eines außergewöhnlichen Körpergefühls besser unterbleibt. Dies kann Ballspiele und Gleichgewichtsübungen betreffen. Es gibt aber auch ausgesprochene Ballkünstler und Kinder mit sehr gutem Gleichgewichtssinn unter den Asperger-Autisten.
Eine Befreiung vom Schulsport ist empfehlenswert, die sportlichen Aktivitäten sollten einzeln oder in kleinsten Gruppen von therapeutischem Fachpersonal betreut werden.

Deutschunterricht
Schon Asperger erwähnt die naszierende Sprache der Autisten, die treffenden Formulierungen oder Wortschöpfungen.
Viele haben wirklich ein sehr besonderes Verhältnis zur Sprache, sprechen sehr gewählt oder auch leicht gestelzt.
Wie in so vielen Bereichen haben wir es auch hier mit scheinbar unvereinbaren Gegensätzen innerhalb einer Person zu tun.
Obwohl sie so wunderbar mit Sprache umgehen können, einzelne Sätze genial formuliert sind, Aufsätze schreiben können sie nicht unbedingt.
Sie folgen einem Prinzip der Vereinfachung, sind bestrebt auch komplexe Sachverhalte möglichst in einem Satz auszudrücken. Das aufdröseln einer Geschichte in – für andere durchaus interessante – Nebensächlichkeiten und die Anreicherung mit blumigen Füllseln, ist ihre Sache nicht. So kann ein Aufsatz inhaltlich zwar korrekt sein, die erwartete Länge aber drastisch unterschreiten.
Die einfach erscheinenden Nacherzählungen können auch misslingen wenn z.B. heftige Emotionen die Konzentration stören oder ein Umschreiben der Ereignisse aus Sicht des ASlers gegeben erscheint. Manche 10-Jährigen erstarren auch einfach wenn sie mit Liebe, Eifersucht und Totschlag, mit Reue, Schuld und Sühne aus mittelalterlichen Sagen konfrontiert werden.

Sprichworte und Asperger-Syndrom, das geht auch nicht zusammen, da alles wörtlich genommen wird und die jahrzehnte-, jahrhundertelange Überlieferung/Verfremdung sich nicht jedem auf Anhieb erschließt. In den entsprechenden Aufsätzen findet man dann sehr schöne, logische Geschichten die das Sprichwort gänzlich anders interpretieren. Man sollte dies nicht mit: Thema verfehlt, 5, abtun, vielmehr den Besonderheiten der Autisten im Umgang mit Sprache Rechnung tragen und unter einem anderen Aspekt zensieren.
Bild- oder Personenbeschreibungen geraten auch oft daneben, einfach weil der ASler aufgrund seiner Besonderheit vieles aus dem Normalleben nicht kennt. Mit dem Bild eines Clowns kann er gar nichts anfangen, da er nie in den Zirkus und auch gewiss nicht zum Fasching geht, da zu laut und zu bunt. 

Mathematik
Ein Sonderpädagoge an der Schule einer Uni-Klinik sagte: Das Versagen bei Textaufgaben gilt fast schon als Diagnosekriterium für Asperger-Autismus. Richtig.
Bei den Textaufgaben versagt auch eine ansonsten begnadete Mathematikbegabung. Dem Prinzip der Vereinfachung verhaftet, wird auch hier nicht verstanden, warum eine simple Rechenaufgabe mit Verkomplizierungen aufgepeppt wird.
Wenn Peter 3 km von der Schule entfernt wohnt, den Weg zweimal täglich und an fünf Tagen in der Woche zurücklegt, wenn die Frage lautet: wie viel km sind das in einer Woche, dann ist es doch egal, ob Peter mit dem Rad fährt, oder zu Fuß geht. Der erwähnte Faktor Rad führt aber zu Überlegungen, die mathematisch nicht zu lösen sind. Absichtlich eingebaute Verwirrungen, die der Schüler ausblenden soll, empfindet der ASler, der mit seiner empfindlichen Wahrnehmung eh meist am Ausblenden unliebsamer Störungen ist, als nicht legitim.
Auch die Frage: Wieviel Geld hat Frau Meier jetzt noch im Portemonnaie? Kann der ASler nicht beantworten, obwohl er vorher den Rechnungsbetrag richtig von dem zur Zahlung vorgegebenen 20-Euro-Schein abgezogen hat.
Er vermutet, dass Frau Meier nicht nur diesen Schein im Portemonnaie hatte, sondern auch Kleingeld und andere Scheine. Hier wurde eine Vereinfachung vorgenommen, die der tägliche erfahrenen Praxis zuwiderläuft.
Schließlich wird vom ASler immer verlangt sich normalen Situationen anzupassen, sie zu erkennen. Das Portemonnaie einer Frau mit nur einem Geldschein ist nicht normal.

Visuelles Lernen
Ganz allgemein und für jegliche Unterrichtung wichtig: Autisten sind meist visuelle Lerner. Die Besonderheiten ihres Gehörs eignen sich nicht dazu langen Vorträgen zu folgen oder auch lange Texte zu lesen.
Bilder mit knappen Texten, die durch gezieltes Nachfragen des Schülers ergänzt werden oder auch Filme sind geeigneter, wenn man den Sachverhalt nicht real in der Praxis darstellen kann.
Falls die Lehrer diese Bereitstellung von Unterrichtsmaterial nicht leisten können, dann sollte die Schulbegleitung das Lernmaterial entsprechend umarbeiten oder auch die Eltern bei den Hausaufgaben darauf achten, entsprechendes anzubieten.

Hausaufgaben
Wie schon erwähnt erfordert der Lehrstoff oft eine Umarbeitung durch die Schulbegleitung oder die Eltern. Die Hausaufgaben natürlich auch. Dies bedeutet einen erheblichen Zeitaufwand von Seiten der Betreuer, der nicht immer zu leisten ist.
Der Schüler ist im Gegensatz zu seinen normalen Mitschülern von der Teilnahme am Unterricht schon über die Maßen strapaziert, die Fülle der Hausaufgaben eine Tortur.
Obwohl alle Beteiligten, auch der Schüler selbst, bemüht sind, alle Aufgaben zufriedenstellen zu erledigen, sind Ausnahmeregelungen dringend erforderlich, um Überlastung zu vermeiden.



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