Asperger-Autismus


Merkblatt zur Beschulung von Kindern mit leicht autistischem Verhalten oder Asperger-Syndrom




 

 
















Es ist interessant festzustellen, dass ein Kind mit AS sich beim Erwerb schulischer Fähigkeiten häufig nicht der herkömmlichen Folge der Lernphasen anpasst und etwas Zeit benötigt, um grundlegende Fertigkeiten zu lernen, oder aber auch, dass es sehr früh schon mit einer unkonventionellen Strategie recht originelle Fähigkeiten erwirbt. 
(Dr. Tony Attwood)

Allgemeines
Lehrer und Mitschüler sollten über die Besonderheiten des ASlers informiert sein, sofern die Eltern dies wünschen. Ungewöhnliche Reaktionen, wie plötzliches Lachen oder das Bedürfnis nach einer Auszeit werden dann besser verstanden.
uDer Lehrer sollte laut, deutlich und nicht zu schnell sprechen.
Wenn er den ASler direkt anspricht, sollte das durch deutliche Hinwendung zum Schüler – Blickkontakt und leichtes Nähertreten – unterstützt werden.
uJeder Fachlehrer sollte in jeder Stunde genau beobachten, ob und wie sich evt. Mobbingtendenzen entwickeln und ihnen umgehend entgegenwirken.

Der Sitzplatz
Der Schüler sollte möglichst allein an einem Tisch und etwas abseits sitzen, da die herumliegenden Sachen der anderen Schüler, deren Bewegungen und Geräusche Störfaktoren sind.
Der Sitzplatz sollte vorn in der Klasse sein, um Bewegungen und Geräusche zwischen ASler und Lehrer zu minimieren. So können die anderen Schüler sich auch nicht herumdrehen und den ASler ansehen, wenn dieser etwas sagt, denn das irritiert ihn heftig.
Direktes Sonnenlicht, als auch Reflektionen sollten vermieden werden.
Holzmöbel sind geräuschärmer als Metallmöbel. Um den Geräuschpegel in einer Klasse drastisch zu senken, wird als Hilfsmaßnahme bei empfindlichen Kindern der Klassenraum manchmal mit Teppichboden ausgestattet. Eine Maßnahme, für die Lärmforschern plädieren, weil sie den Lernerfolg der ganzen Klasse enorm steigert.
(Rose, Hose, Dose/ Der Spiegel, Heft 44, 2003).

Nie exponieren
Man sollte darauf verzichten, den AS-Schüler zu exponieren. Also, ihn nicht allein an die Tafel rufen oder ihn Referate vortragen und Gedichte aufsagen lassen.
Sollte eine solche Einzelprüfung unumgänglich sein, sollte sie nur zwischen Lehrer und Schüler, evtl. mit einer weiteren Person, Schulbegleitung/ Referendar o. ä. stattfinden.
Betrachtet man Kinder mit AS im Unterricht, so fällt ihre Angst vor dem Versagen, vor Kritik oder Unvollkommenheit auf. Einige Kinder lehnen es ab, sich in einer neuen Aktivität zu versuchen, wenn sie auch nur den leisesten Verdacht haben, sie könnte ihnen nicht gelingen. (Tony Attwood)

Teamwork
Das Erarbeiten von Lehrstoff in Schülergruppen sollte unterbleiben, da ein Schüler mit Defiziten in der auditiven Wahrnehmung den verschiedenen Stimmen und der jeweiligen Argumentation nur schwer folgen kann.
Grundsätzlich sollten alle Situationen vermieden werden, wo der Schüler sich an mehreren Personen gleichzeitig orientieren muss. Das gilt auch für Gruppensport.

Auszeiten und Sonderzeichen
Der Schüler mit AS braucht die Möglichkeit sich zeitweise ausklinken zu können, das Klassenzimmer verlassen dürfen. Entweder mit seiner Schulbegleitung oder auch allein. Für diese Fälle sollte ein Raum zur Verfügung stehen.
Hat ein ASler keine Schulbegleitung, die solche Vorhaben regelt, ist es gut, wenn nonverbale Zeichen zwischen Lehrer und Schüler vereinbart werden: einen bestimmten Gegenstand in bestimmter Weise auf dem Tisch positionieren z. B.
Ein ebensolches Vorgehen sollte für die Fälle eingeplant werden, in denen der Schüler mit der Aufgabenstellung nicht allein weiterkommt.
In beiden Fällen liegt das Problem darin, dass der Schüler erkennt, ob er eine Auszeit oder Hilfestellung braucht und es dann auch noch wagt, darum zu bitten.
Egal, ob ein einfühlsamer Lehrer die Situation erkennt oder auf die verabredeten Zeichen reagiert: die Reaktion sollte subtil erfolgen und den Schüler nicht zum Mittelpunkt des Klassengeschehens machen.

Pausen
Pausen sind für den ASler oft schwer erträglich und auf Grund des Lärms und der Bewegungen einer großen Menschenmenge genau das Gegenteil von erholsam. Auch hier muss eine Rückzugsmöglichkeit angeboten werden. Ein Nebenraum im Sekretariat oder die Schulbibliothek.

Hausaufgaben
Die Teilnahme am Unterricht in einer Klasse mit fast 30 Schülern verlangt von einem ASler sehr viel mehr Konzentration und Anpassung und bedeutet Stress in großen Ausmaß. Am Ende des Schultages ist er mental erschöpft.
Dazu kommt, dass die im Unterricht behandelten Themen und somit auch die Hausaufgaben von der Schulbegleitung oder den Eltern umgearbeitet werden müssen. Es gibt auch oft noch Therapietermine die wahrgenommen werden müssen, Ergotherapie oder Logopädie z. B.
Die nachmittägliche Zeit der Erholung, der Entspannung, der Beschäftigung mit den eigenen Interessen, ist also stark dezimiert – und das bei einer Person, die einen erhöhten Erholungsbedarf hat.
Eine generelle Befreiung von den Hausaufgaben mutet übertrieben an, aber drastische Ausnahmeregelungen sollten getroffen werden.
ASler haben oft Probleme  mit der Motorik, also auch der Handschrift. Sie können meist sehr viel schneller Sätze konzipieren, als sie zu Papier zu bringen.
Hier muss erlaubt sein, dass eine andere Person den Text vorschreibt, der Schüler nur die gefragten Besonderheiten einsetzt (Grammatik/Fremdsprachen/Sachkunde).
Geschichten, Nacherzählungen, Beschreibungen sollten nur stichwortartig konzipiert und einer anderen Person diktiert werden, oder am PC getippt werden.
Die Arbeit mit dem PC sollte grundsätzlich zugelassen werden.

Klassenarbeiten
Auch die Klassenarbeiten sollten am PC geschrieben werden dürfen, wenn handschriftliche Arbeiten einen unzumutbaren Komplizierungsfaktor darstellen.
Sonst sollten Nachteilsausgleichszeiten es dem Schüler ermöglichen eine Klassenarbeit in einem ruhigen Raum zu Ende zu schreiben.

Sport
Teamsport sollte nur mit Einwilligung des Schülers stattfinden. Sonst sind die motorischen Probleme des ASlers zu berücksichtigen, die eine oft generelle Freistellung vom Schulsport bedeuten.
Die sportlichen Aktivitäten des ASlers sollten in privatem/therapeutischem Rahmen gezielt betreut werden.


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